Masterplan Neandertal

Konzept zur Überarbeitung der Fundstelle des Neanderthalers in Form von sieben Interventionen zwischen dem Neanderthal Museum und der Fundstelle des Neanderthalers 05/2016

Im September 2014 lud die Stiftung Neanderthal Museum in einem Werkstattverfahren vier Büros ein, im Rahmen des Masterplanes Neandertal eine konzeptionelle Idee zur Überarbeitung der Fundstelle des Neanderthalers zu entwickeln.

Das Erleben der Höhe – „Vertikalität verleihen“, wie es im Masterplan Neandertal heißt – erscheint uns so wichtig, dass das persönliche Erklimmen der Höhe fast zwingend wird. Es entstand die kompakte Form der Vertikalität – der Höhlenblick – die über eine äußere und eine innere Rampe mit Podesten im Wechsel barrierefrei zu begehen ist. Zahlreiche und meist interaktive Exponate erläutern spielerisch die Veränderungen des Fundortes und seiner Umgebung. Der rhythmische Wechsel vom Innen zum Außen lässt das Publikum immer wieder andere Perspektiven der Umwelt erleben. Die feingliedrige Ausformulierung des Turmes aus einem räumlichen Fachwerk erlaubt darüber hinaus die direkte Verortung des Gelernten.

Mit dieser Idee des Überwindens der Höhe an den ursprünglichen Höhenlage der Höhle, konnten wir den Wettbewerb positiv bestreiten und wurden damit beauftragt, das Konzept zu verfeinern und den Weg vom Museum zur Fundortstelle in Form von mehreren Interventionen zu gestalten:

Sieben Interventionen zwischen dem Neanderthal Museum und der Fundortstelle laden das Publikum zu einer spannenden Reise in die geschichtliche Entwicklung des Tals ein, dort, wo der Neanderthaler vor rund 30 000 bis 40 000 Jahren lebte. Besucherinnen und Besucher werden anhand einzelner historischer und noch erhaltener Befunde und inszenatorischer Eingriffe Zeugen der natur-, kultur- und industriegeschichtlichen Entwicklung des Neandertals.

Auf dem Weg zur Fundortstelle geben mehrere Stelen an geeigneten Stellen und nahe historischen Befunden einen geschichtlichen Abriss über den Ort und seinen Veränderungen. Die grafische Gestaltung der Informationstafeln geht eine Symbiose mit dem Fundort als Ort des Geschehens ein: Durch eine zarte Überlagerung der Inhalte mit leicht retuschierten Fotoaufnahmen rund um die Fundstelle und dem Neandertal werden die Inhalte und der Ort auf das engste miteinander verwoben. In ihrer Wirkung stehen sie im Spannungsbogen von heute und damals. Integrierte Texte entschlüsseln das gezeigte und gehen näher auf die Bildwelten ein.

Die Inszenierung der Auseinandersetzung der Düsseldorfer Malerschule mit dem ›Gesteins‹ an der Wandseite der ursprünglich dunklen Unterführung auf dem Weg zur Fundortstelle verwandelt die Passierstelle in einen ansprechenden Ort in neuem Kleid. Die gefaltete Baukonstruktion der Architektur wird genutzt, indem eine Aufnahme der Düsseldorfer Malerschule als Großprint in nachträglich kolorierter Fassung mittels geeignetem Bildträger auf die Wände aufgebracht und beleuchtet wird. Durch die spezifische Ausformung der Wände wird das Bild zunächst zerteilt. Die abgetrennten Bestandteile fügen sich nun im Auge der Passanten von einem bestimmten Punkt aus – vergleichbar mit einer Anamorphose – wieder zusammen und lassen das in Einzelteile zerlegte Bild zu einem Ganzen verschmelzen.

Nachdem das Publikum auf dem Weg zur Fundstelle des Neanderthalers manches über das Tal erlebt und gelernt hat, passiert es als fünfte intervention vor dem Fundort das Tor zur Fundortstelle und gelangt auf den Zeitstrahl, der die Längsachse des Fundorts definiert.

Das Bauwerk am Eingang zum Fundort fokussiert den Blick des Publikums auf die Zeitachse. Die Konstruktion aus Stahlblechplatten und Glas schafft einen einladenden Zugang und versteckt – zumindest auf den ersten Blick – die automatische Vereinzelungsanlage, die nur mit gültigem Ticket passiert werden kann.

Die Freiraumgestaltung der eigentlichen Fundstelle wird so behutsam wie möglich erweitert. Zwei Elemente sollen die Geschichte am Fundort nachvollziehbar machen:

  1. Der Felssockel als historisches Zeugnis für die südliche Felswand wird sorgsam freigelegt und begehbar gestaltet, ohne maßgeblich in das bestehende Landschaftsbild einzugreifen.
  2. Eine begehbarere Landmarke – der Höhlenblick – leitet das Publikum an jenen Ort, an dem die Neandertalhöhle einst ihren Platz hatte. In 20 m Höhe erschließt sich dem Publikum der Blick aus der Höhle am damaligen Ort – es ist am lieu de mémoire angekommen.

Auftraggeber
Stiftung Neanderthal Museum
Prof. Dr. Gerd-Christian Weniger

in Kooperation mit
Kreis Mettmann
Stadt Erkrath
Stadt Mettmann

Weiterentwicklung des Konzepts
Jürg Steiner
mit
Annabelle Schuster, Jan Rieger-Trautmann, Victor Martínez

Zeichnungen, Visualisierungen
Annabelle Schuster, Victor Martínez

Dank für Hilfestellung beim Turmgestell
System 180 GmbH Berlin
Andreas Stadler, Alexander Prickel

Download Broschüre
Neanderthal Broschüre Interventionen 1–5
Neanderthal Interventionen 6 und 7