Friedrich Hölderlin: Die Winterreise nach Hyperion

Die Schaubühne am Halleschen Ufer im Olympia-Stadion Berlin 01/1977

Der Regisseur Klaus Michael Grüber realisierte zusammen mit dem Szenografen Antonio Recalcati diesen Außenauftritt der Schaubühne. In der Ostkurve des Stadions wurde die Nachbildung des Portals vom Anhalter Bahnhof aufgestellt. Auf den Anzeigetafeln, die damals nur Texte zeigen konnten, waren abwechselnde Kurzzitate Hölderlins zu lesen.  Als Werkstättenleiter konstruierte Jürg Steiner ein zweidimensionales Gebilde vom Portikus des Anhalter Bahnhofs aus Leinwand, aufgespannt auf sechs über die ganze Höhe laufenden Rahmen aus Stahlgitterträgern, die mit Rundholzstützen an einem steifen Bodenrost aufgerichtet und festgeklemmt wurden. Die Endform bestand aus überstehenden Sperrholzabschnitten, an denen das Textil festgemacht wurde. Befestigungen auf der Aschenbahn waren nicht möglich – Auf- und Abbau waren jeweils in kurzer Frist gefordert.  Die dreidimensionale Wirkung war ein Triumph der Bühnenmaler. Es entstand ein Trompe l’oeil, an dessen Räumlichkeit das Publikum kaum zweifelte, gerade auch durch die agierenden Schauspieler und die Versatzstücke im Umfeld wie den Imbisswagen. Eine kaum wahrnehmbare Bodenrampe illuminierte die Fassade vor den leeren Rängen der Ostkurve.
Farbbilder: Ruth Walz. Das letzte Bild von Harry Croner weist auf die gelungene Anamorphose der vorangegangenen hin, die aus dem Winkel der Publikumsplätze aufgenommen wurden.

Winterreise nach Hölderlin