Gaststättenerweiterung Gut Sarnow

bei Groß Schönebeck, Schorfheide 02/1994

Die Design Agentur Berliner Zimmer entwickelte sich Anfang der 1990er Jahre rasant, indem sie ihr Betätigungsfeld zur Werbeagentur erweiterte. Auch für das neu erworbene Gut Sarnow hatte sie Großes vor. Die Baulichkeiten des Anwesens waren indessen wenig ansprechend. Den Gesellschaftern Kai-Alexander Moslé und Thomas Kaever war deshalb an einer zeitgemässen Erweiterung der Gaststätte gelegen – nicht nur um den Andrang am Wochenende zu meistern, sondern auch um ein deutliches Zeichen zu setzen. Die innen liegende Tragkonstruktion aus System 180 konnte zum größten Teil aus dem temporären, 1990 für das Museum am Ostwall in Dortmund gebauten Vorbau übernommen werden. Die neuesten Wärmeschutzrichtlinien kamen für das einstöckige Gebäude auf L-förmigem Grundriss zur Anwendung. Spezielles Isolierglas ermöglichte eine Konstruktion ohne äussere Glasleisten, die Stöße wurden lediglich dauerelastisch verklebt. Die weite Überkragung des Daches bietet im Sommer einen guten Sonnenschutz gegen Erwärmung des Rauminneren und das Regenwasser kann weit vor den Fundamenten linienförmig abtropfen. Ein hoher Betonsockel, der den ebenerdigen Anschluss an die Gebäude ermöglicht, lässt das Publikum gleichsam über der Landschaft schweben. Die Gäste sollten sich in den technisch wirkenden Räumen wohl fühlen dank der ästhetischen Einfachheit, der Naturnähe und der behutsamen Eingliederung des Neubaus in die vorhandene Bebauung.

Die Design Agentur Berliner Zimmer hatte sich mit Kauf und Baumaßnahme übernommen, meldete Insolvenz an und gab die Probleme an die Nachfolgeunternehmen weiter. Dem Architekten Jürg Steiner, den Firmen Museumstechnik Gesellschaft für Ausstellungsproduktion mbH und System 180 GmbH blieb die Bauherrin gefährlich große Summen schuldig. Einer der Gesellschafter des Berliner Zimmers ging auch in Insolvenz. Ein anderer tauchte für geraume Zeit in der Schorfheide ab.
Der nachfolgende Eigentümer vermisste um die Jahrtausendwende wohl innen und außen die für die Schorfheide typische Gemütlichkeit. Doch bietet das Bauwerk aus System 180 nicht auch viele Möglichkeiten etwas abzuhängen oder sonstwie zu applizieren?

Fotos 1 bis 3: Horst Ziegenfusz, Frankfurt am Main, 1994
Fotos 4 bis 6: Jürg Steiner, 2002
Fotos 7 bis 10: Eine wiederum neue Bewirtschaftung setzt den Anbau auf seiner Website werbend gekonnt in Szene (4. Oktober 2016)
Fotos 11 bis 14: Die beobachtete Wirklichkeit am 2. Oktober 2016