Ein neues Beleuchtungskonzept für museale Werkstätten

LWL-Freilichtmuseum Hagen, 2016 – 2017 11/2016

Das Licht in einem historischen Gebäude ist der immaterielle Anteil innerhalb einer Gesamtpräsentation. Pointiert heißt das: die Gesamtgestalt besteht aus Objekten (Gebäude, Inneneinrichtung, Exponate) und Licht. Auch alle zusätzlichen Elemente wie Publikumsführung, Sicherheitshinweise, Informationstafeln und mediale Momente mögen über das Licht zu den Menschen gelangen. Die nachfolgenden acht Punkte unseres Konzepts sind ohne Priorisierung, die Reihenfolge dient dem Erzählfluss.

Mit unserem Konzept des nachhaltigen und innovativen Einsatzes von neuen Lichtquellen im LWL-Freilichtmusuem in Hagen wollen wir weniger auf Effekte, sondern viel mehr auf den notwendigen, Themengebundenen und sensiblen Einsatz von Licht in den Werkstätten des LWL-Freilichtmusuem in Hagen setzen.

Das Tageslicht wird, soweit baulich möglich – unter der Voraussetzung, dass es keine konservatorischen spezifischen Vorgaben gibt – in die Werkstätten gelangen und den Lauf der Jahres- und Tageszeiten in die Ausstellungsdramaturgie einbringen. Originalleuchten werden so eingesetzt, wie sie zwischenzeitlich in den Werkstätten vorhanden waren oder hätten sein können und aufgrund der Historie des Ensembles den Erzählfluss befördern. Zusätzlich notwendige Lichtquellen sollen – so weit wie technisch möglich – auf das Licht reduziert werden. Die Leuchte als Designobjekt oder technische Gerätschaft soll keine Rolle spielen.

So entwickelten wir eine Leuchte, die nicht wie ein durchgestaltetes Werk aus dem Industriedesign wirkt, sondern an einfache Laternen erinnert. Der Leuchtenkorpus des sogenannten ›Eingemachten Lichts 2‹ – eine Weiterentwicklung des ›Eingemachten Lichts 1‹ – besteht aus einem Einmachglas. Eine Bajonettfassung GU10 hält eine LED-Reflektorlampe mit einer Leistung von 5 W, betrieben unter 230 Volt Wechselstrom, der überall zur Verfügung steht. Ein Kunststoffgehäuse wird auf den Deckel geklebt und nimmt die elektrische Verbindung gekapselt auf. Der Lichtstrom entspricht einer Halogenlampe mit 50 W Leistung. Ein Bügel ermöglicht die Befestigung an vertikalen sowie horizontalen Flächen. Darüber hinaus lässt sich die Leuchte unter fast allen Winkeln befestigen und kann dank des einstellbaren Bügels optimal für die Gegebenheiten vor Ort ausgerichtet werden.

Für die Einsätze, bei denen ein klar definierter Lichtkegel in Austrittswinkeln von 14,5° bis 68° blendfrei (Spot bis Flood) stufenlos einstellbar ist, schlagen wir den Einsatz eines Plankonvex-Scheinwerfers vor, ebenfalls eine Eigenentwicklung in Zusammenarbeit mit der Müller und Röhrig GbR und der System 180 GmbH. Die Leistung des LED-Leuchtmittels liegt bei 8 W, was etwa einer Leistung einer Halogenlampe von 75 W entspricht. Die hier vorgestellte Leuchte wurde in einer Erstserie gebaut. Für das LWL-Freilichtmuseum Hagen müsste die Leuchte insofern modifiziert werden, als dass die sehr offene Form der Erstleuchte im Gebrauch des Museums wegen Verstauben in eine luftdichtere Version verändert werden müsste.

An ausgesuchten Stellen vermitteln sensible audiovisuelle Lichtinszenierungen feine Irritationen oder wechselnde Reflexionen. Die Museumsbesucher werden so während ihres Parcours durch die Werkstätten mit kleinen Höhepunkten als erweiterte didaktische Vermittlungsebene überrascht, indem an ausgesuchten Stellen kleine Geschichten erzählt werden. So erweckt beispielsweise im Kupferhammer eine Esse interaktiv zu Leben und unterstützt auf anschauliche Weise ihre einstige Funktion ich Echtzeit.

Der Steuerung kommt hierbei eine zentrale Rolle zu: über Bewegungsmelder kann die Beleuchtung auf das Publikum reagieren; über Druckknöpfe und Schaltflächen kann das Publikum einzelne Momente der Lichtinszenierung in Gang setzen und über (Schlüssel-)Schalter oder Schaltflächen kann das in den Werkstätten tätige Personal in die Beleuchtungsgegebenheiten eingreifen und dieses den handwerklichen und didaktischen Notwendigkeiten anpassen.

Mit der Umrüstung der Werkstätten des Museums auf das von uns vorgeschlagene System gesis® MINI der Firma Wieland Electric GmbH wird ein äußerst kompaktes System installiert, das leicht für Geräte und andere Installationen Vorkonfektioniert werden kann und sich besonders durch seine Handhabbarkeit auszeichnet. Sämtliche Leuchten werden elektrotechnisch so umgerüstet, dass vorzugsweise LED-Lichtquellen zum Einsatz kommen können und die Energiekosten entsprechend gering bleiben.

Jetzt befindet sich das Museum in der Realisierungsphase, noch in diesem Jahr sollten die Werkstätten in neuem Licht erhellen.

Konzept und Design
Steiner Architektur-GmbH mit
Jürg Steiner und Annabelle Schuster

Auftraggeber
LWL-Freilichtmuseum Hagen
Mäckingerbach
58091 Hagen

Leiter
Dr. Uwe Beckmann

Stellvertreterin
Dr. Anke Hufschmidt

Technische Leitung
Dennis Walter

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LWL-Freilichtmuseum Hagen Broschüre