Kaiserpanorama

Märkisches Museum Berlin 04/1981

Jürg Steiner wurde vom Generalsekretär Gottfried Korff im Winter 1981 mit dem Kauf eines Kaiserpanoramas betraut und erwarb zusammen mit dem Berliner Sammler von Stereo-Glasdias, Erhard Senf, ein Kaiserpanorama mit 24 schön gearbeiteten Wänden aus Mahagoni-Holz mit je zwei Okularen. Allerdings fehlte das Innenleben mit der Mechanik des automatisierten Bildwechsels.

Es galt also eine neue Unterkonstruktion und Mechanik zu erstellen. Im Münchner Stadtmuseum war ein anderes Kaiserpanorama in Betrieb und der gelernte Theatertechniker Jürg Steiner fing bei einem Besuch dort Feuer für die Aufgabe. Er lernte in München das Malteserkreuz-Getriebe kennen, bei dem ein Getriebemotor permanent laufen kann, der Diawechsel aber nur alle 10 Sekunden nach vorherigem Klingelzeichen erfolgt. Für die Kraftübertragung entschied er sich – anders als in München – für eine ringförmige, einseitig gelagerte Triebstockverzahnung, angetrieben durch ein horizontales Zahnrad. Die von Jürg Steiner entwickelte Mechanik wurde in den eigens für die Preußen-Ausstellung im Martin-Gropius-Bau eingerichteten Werkstätten gebaut – der Getriebemotor und das speziell für das Kaiserpanorama entwickelte Malteserkreuz-Getriebe wurden von außen beigesteuert.

Der Effort der Ausstellungsleitung, dem Kaiserpanorama einen eigenen Raum zu gewähren, war durchaus initiiert durch Walter Benjamins Betrachtungen des Kaiserpanoramas, das nun wieder in Berlin angekommen war, dem Ort von dem es einst die Welt eroberte – 1981 ausgestellt nur ein Kilometer entfernt von der einstigen Kaiserpassage, Friedrichstraße Ecke Unter den Linden. Die Begeisterung des Publikums für das lange vermisste Medium war enorm.

Die Berliner Festspiele GmbH als Veranstalterin der Preußen-Ausstellung übergab das Kaiserpanorama dem Berlin-Museum, dem Westberliner Stadtmuseum in dem heute das Jüdische Museum residiert. Inzwischen wird das Kaiserpanorama folgerichtig im Märkischen Museum gezeigt.

Die erste Abbildung von Margret Nissen zeigt den Raum in der Preußen-Ausstellung, die anderen wurden von Jürg Steiner nach 2000 im Märkischen Museum aufgenommen.