1000 Jahre Kaiserdom Merseburg

Sonderausstellung anläßlich des 1000-jährigen Jubiläums der Grundsteinlegung des Merseburger Doms 08/2015

Der Merseburger Dom gilt als einer der bedeutendsten Kathedralbauten Deutschlands. Anlässlich des 1000-jährigen Jubiläums der Grundsteinlegung des Merseburger Doms kehrt für vier Monate der Glanz des 11. Jahrhunderts mit der Präsentation wertvoller Leihgaben aus ganz Europa nach Merseburg zurück. Die Ausstellung im Dom St. Johannes und St. Laurentius und im Kulturhistorischen Museum Schloss Merseburg gibt einen Einblick in die Gründungsausstattung einer Kathedrale und erzählt von der Entwicklung Merseburgs zu einer der bedeutendsten Kaiserpfalzen Mitteldeutschlands.

Das Besondere an der Ausstellung ›1000 Jahre Kaiserdom Merseburg‹ ist, dass manche Kausalitäten des Erzählstrangs, gerade bei frühen, fragmentarischen Quellen, anstelle mit Originalobjekten mit Inszenierungen zu vermitteln sind: Die schmucklose Ostwand direkt am Eingang aus dem Kassenraum in der Vorhalle des Domes ist gesamthaft mit einem Illusionsbild bespannt. Dieses zeigt den Einblick in eine romanische Basilika, das mit elektronischer Bildbearbeitung des Seitenschiffs der Quedlinburger Stiftskirche St. Servatius erzeugt wurde. Ein noch größeres Bild ist an der benachbarten großen mittleren Ostwand in der Vorhalle zu erkennen. Seit 1700 ist dort die Rückwand der gigantischen Orgel in der Art einer stilisierten Hausfassade mit Fenstern und Baudekoration zu sehen. Nun soll bei der Ausstellung der einstige Blick in den Hauptraum des Merseburger Doms wie einst unverbaut erscheinen – ebenfalls durch ein Illusionsbild, das vom Publikum in der Rundgangsfolge durchschritten wird um in die Haupthalle zu gelangen.

Ebenfalls im Mittelschiff der Vorhalle stehen Abbilder der steinernen Schranken im Originalmaßstab, die beim Betreten des Hauptschiffes aus der Vorhalle rechts und links zu sehen sind. Diese Drucke auf Glas sind in der Vorhalle so angeordnet, dass das Publikum dahinter treten kann, da wo einst wohl Gestühl aufgestellt war.

Ein Doppelmodell veranschaulicht präzise zwei Architekturstile des Domes in seiner geschichtlichen Entwicklung. Während die eine Hälfte des Modells den Dom in seiner romanischen Ausformung präsentiert, gibt die andere Hälfte Einblick in den weitgespannten spätgotischen Bau mit Ansätzen des Kreuzgangs ohne die Einbauten nach der Reformation, so wie sie heute noch in situ erlebbar sind. So stehen sich Basilika und Hallenkirche schräg gegenüber und erlauben einen direkten Vergleich.

Zwischen den Westpfeilern der Vierung im Dom trennte bis zur endgültigen Einführung der Reformation ein steinerner Lettner den Chor vom Hauptschiff als kulissenartige Raumtrennung, die 1588 abgerissen wurde. Einige Fragmente des steinernen Ensembles sind noch erhalten, woraus sich eine virtuelle Rekonstruktion in Form eines Theaterprospekts herstellen ließ. Das leicht transparente und bedruckte Textil soll die ehemaligen Mauern in einer realistischen Darstellung mit passenden Licht- und Schatteneffekten erkennbar machen. Gleichzeitig werden auf dem Prospekt die heute noch erhaltenen Fragmente in einem kühlen Grauton als farblicher Kontrast markiert und verweisen so auf die Originale. Da während der Ausstellungsdauer Gottesdienste, Konzerte sowie die Orgelfestspiele weiterhin stattfinden, ist es möglich, den Prospekt per Seilzug temporär zu entfernen.

Als weitere vornehmlich textile Elemente zeigen sich die so genannten Portieren, deren Formgebungen sich auf die Vorhanggewölbe der Fenster des Merseburger Schlosses beziehen. Die Portieren stehen am Zugang zu den jeweiligen Ausstellungseinheiten, die sich in unzusammenhängenden Raumeinheiten von Dom und Schloss befinden. Die einzelnen Kapitel erhalten so ein gleichbleibendes Erkennungszeichen, das im Außenraum zugleich Wetterschutz ist.

Die von uns entworfenen Vitrinen, Sockel und Podeste formulieren ein ganzheitliches Erscheinungsbild. Die ausgestellten Objekte ruhen vielfach auf Anröchter Kalkstein, der mit seiner grau-grünlichen Färbung eine dienende Basis für die ausgestellten Objekte bildet und für Feinpräsentationshilfsmittel ein idealer Untergrund ist.

Stimmungsvoll gestaltete Raum- und Exponattexte sowie Grafiken auf Textil, verbinden alle Ausstellungsräume zu einem einheitlichen Ganzen und transportieren neben reinem Wissen ein Gefühl der damaligen Gesellschaft mit ihren Bräuchen, Festen und Darstellungsformen.

 

Auftraggeber
Vereinigte Domstifter zu Merseburg und Naumburg und des Kollegiatstifts Zeitz

Ausstellungsleitung
Dr. Holger Kunde

Kuratoren
Markus Cottin, Václav Filip (wissenschaftlicher Mitarbeiter)

Logistik für das Kulturhistorische Museum Schloss Merseburg
Dr. Karin Heise

Gestaltung
Jürg Steiner
mit Annabelle Schuster

Projektleitung, Bauleitung
Annabelle Schuster

Mitarbeit
Annabelle Schuster, Martin Jaskulla

Konservatorische Betreuung
Mirko Negwer, Friedhelm Wittchen, Uwe Kalisch

Ausstellungsdauer
10. August bis 9. November 2015

Fotografien
Prof. Jürg Steiner

Broschüre
Annabelle Schuster

Download Broschüre
Broschüre 1000 Jahre Merseburger Dom

Am 20. Juni 2017 wurde das Projekt mit dem DTHG Weltenbauer Award gekürt. Wir freuen uns sehr darüber.

DTHG Weltenbauer