Werkstattverfahren Neandertal

1. Preis – Empfehlung für die Realisierung des Wettbewerbsbeitrags, Mettmann 12/2014

 

Im September 2014 lud die Stiftung Neanderthal Museum in einem Werkstattverfahren vier Büros ein, im Rahmen des Masterplanes Neandertal eine konzeptionelle Idee zur Überarbeitung der Fundstelle des Neanderthalers zu entwickeln.
Es galt im Werkstattverfahren eine Sichtbarmachung der alten Topographie des Ortes und seiner Höhle zu entwickeln, welche durch den industriellen Kalkabbau im 19. Jahrhundert unwiederbringlich verlorenging. Damit die ehemalige Talsituation für den Besucher wieder erkennbar und erlebbar wird, soll nun ein Wahrzeichen gefunden werden, welches in seiner Gestaltung den Besucher in der Gegenwart abholt und in die Vergangenheit zurückführt. Das hierfür vorgesehene Gelände selbst wird durch zwei Schlüsselmerkmale definiert: die Markierung der Position der ehemaligen Höhle in der Horizontalen und die überlieferte Höhe der Höhle in der Vertikalen.

Das Erleben der Höhe – „Vertikalität verleihen“, wie es im Masterplan Neandertal heißt – erscheint uns so wichtig, dass das persönliche Erklimmen der Höhe fast zwingend wird. Ein spannender Aufstieg und ein kurzweiliger Abstieg ist zu gewährleisten. So entstand die Idee des Zylinders.

Eine Landmarke mit einem Durchmesser von 12,00 m und einer Höhe von gut 20 Metern aus einem räumlichen Fachwerk wird abwechselnd außen und innen behindertengerecht erschlossen. Der Wechsel von außen nach innen ist wegen der Steigungsverhältnisse notwendig, verhilft aber auch gleichzeitig zu einer spannenden Dramaturgie. Ein konsequenter Erzählstrang in kurzweiliger Begehungslogik – so werden die Anforderungen des Auslobers – von uns interpretiert.

Im Inneren des Zylinders hängen die 100 bekannten Bilder der Düsseldorfer Malerschule mit Bezug aufs Neandertal. Jeweils von der gegenüberliegenden Position aus leuchten diese Bilder durch Betätigung eines einfachen Druckschalters und verhelfen so zu einer spielerischen Vermittlung dieser Galerie der Malerei des 19. Jahrhunderts. Bei Führungen im Sockel des Zylinders lassen sich die Bilder auch in Gruppen oder gesamthaft zum Leuchten bringen. Der rhythmische Wechsel von Innen nach Außen lässt das Publikum immer wieder andere Perspektiven der Umwelt erleben. Vergleichsweise einfache, analoge Hilfsmittel wie Kulisseneinsichten, Pepper‘s Ghost, Anamorphosen oder Hör- und Spielstationen vermitteln die Topografie der Neander-Klamm und Fragmente der Erinnerung. Oben angekommen ist man reif für den Höhepunkt, die Höhlenkulisse: Das Publikum blickt in eine Höhle von innen nach außen. Die Szenerie war die ganze Zeit schon erkennbar – als Kulissen, die Neugier erweckten. Und nur von einem Punkt aus, gleichsam als Anamorphose, erschließt sich das Bild: der Blick ins Tal aus der Höhle, durch diese eingegrenzt, könnte einst ähnlich gewesen sein wie jetzt. Der Aufstieg hat sich gelohnt.

Die Empfehlungskommission des Werkstattverfahrens empfahl dem Auslober die Machbarkeit der Konstruktion prüfen zu lassen. An dem Entwurf wird nun gemeinsam mit dem Auslober und Fachplanern weiter gearbeitet.

Auftraggeber

Stiftung Neanderthal Museum
Prof. Dr. Gerd-Christian Weniger

in Kooperation mit

Kreis Mettmann
Stadt Erkrath
Stadt Mettmann

Entwurf
Prof. Jürg Steiner, Anna Kasprzynski, Holger Lilienström (Visualisierung)

Statik und Stahlrohrkonstruktion
Prof. Dr. Yuri Petryna, Berlin
System 180, Berlin

Broschüre
Neanderthal Werkstattverfahren