Else Lasker-Schüler: Die Wupper

Schaubühne am Halleschen Ufer, Berlin-Kreuzberg 01/1976

In einer Schlüsselszene von Luc Bondys Inszenierung verlangte Karl-Ernst Herrmann für seinen Bühnenraum ein veritables Kettenkarussell. Während der übrigen Zeit war dieses von Bühnentechnikern mit Greifzügen hochgezogen, im Rollenboden halbwegs verborgen.  In der unteren Position hing das Gerät nicht mehr in den Seilen, sondern stabilisierte sich, indem die beiden Hängegestelle zu Kniehebeln wurden. An diesen Trägern abgehängt wurde die Arbeitsfläche für die Techniker, die das Rad über die Mittelachse drehten. Der Korpus des Karussells lagerte auf Rollenböcken, die sich auf einer um die Standfläche herum reichende Schienenfläche drehten. Ein Schleifring – geschützt im Plastikeimer im unteren Bereich der Mittelachse – gewährleistete die Beleuchtung im Korpus. Im abgesenkten Zustand liessen die Bühnentechniker die ebenfalls im Rollenboden verborgenen Tierfiguren herab, die Holzbildhauer mithilfe von Tischlern der Schaubühne hergestellt hatten. Auf dem oberen Bild sieht man Angela Winkler und Werner Rehm als letzte Gäste auf dem Rummel. Im Vorfeld wurden motorische Lösungen für das Karussell geprüft, doch aus verschiedenen Gründen wieder verworfen. Der Handbetrieb war praktisch lautlos und sparte auch Kosten. In den vorderen Reihen konnte das Publikum die Bühnentechniker auf dem Karussell sehen, was sogar die Inszenierung unterstützte. Der junge Konstrukteur Jürg Steiner, von dem auch die Fotos sind, hat für diese erste grosse mechanische Konstruktion viel Lob erhalten.

Das von Else Lasker-Schüler als ›Stadtballade‹ und ›böse Arbeitermär‹ bezeichnete Stück von 1909 wurde erst 1919 zum ersten Mal aufgeführt. Das Düstere des Stücks blieb Jürg Steiner beklemmend in Erinnerung, als er 2000 an die Bergische Universität Wuppertal berufen wurde.