1914 – Mitten in Europa. Das Rheinland und der Erste Weltkrieg – Wettbewerb

Große Publikumsausstellung, Mischanlage Kokerei Zollverein, Essen (Wettbewerb, 1.Preis) 07/2013

Schwebt im Hauptbahnhof von Hagen die Glasmalerei Jan Thorn Prikkers weit über den Köpfen des Publikums, könnten Dias davon die Bandbrücke verdunkeln und für die zu nun folgende Ausstellung die Ästhetik vor 1914 vermitteln. Abends durch das Licht der Bandbrücke hinterleuchtet, erscheint ein weit sichtbares Zeichen der Ausstellung.

Prospekte
Durch die gänzlich unterschiedlichen Kapitel und Raumkonfigurationen zieht sich das Konzept der Rückprospekte, wie im klassischen Theater der rückwärtige Abschluss der Szenerie heißt. Die vorgeschlagenen Prospekte sind multifunktionelle flächige Module, die der Vielgestaltigkeit der Ausstellungsobjekte entsprechen.

Utopien der Jahrhundertwende
Eine raumgreifende Bildcollage führt in die Thematik und die Gestaltungsrhetorik ein. Das Beispiel aus dem Buch ›Krieg der Welten‹ greift in Form großer Prospekte gleichsam in die dort vorhandenen Maschinen ein; auf den Rückseiten finden die anderen Unterthemen Platz.

Aufbruch in die Moderne
Drei diagonal angeordnete Prospekte lassen die sechs Themen dieses Kapitels erkennen. Die Prospekte könnten ein feines Ornament im Stil Thorn Prikkers zeigen, auf dem dann Texte, Stiche und Fotos sowie kleinere Objekte zu sehen sind. Die Vitrinen stehen mehrheitlich auf den beiden äußeren Förderanlagen und Abwurfschlitzen. Sie überragen zum Teil die Ausstellungsebene und sind als Vertiefung auch von der Rückseite zu betrachten. Die Fenster könnten wiederum mit Dias von Glasmalereien teilverdunkelt werden.

Gewalt und Zerstörung – der Krieg im Westen (1914–1923)
Zentrales mediales Element der Bunkerebene ist eine Wolkenprojektion aus dem nicht betretbaren Luftraum. Langsam ziehen die Wolken durch die Bunker und leiten das Publikum. Dort wo sie in die betretbaren Räume hineinscheinen, stehen Unterstände mit seriellen Ansammlungen von Objekten.

Die entzauberte Moderne: Zwischenkriegszeit an Rhein und Ruhr (1918–1930)
Aus den bedrohlichen Bunkern herabsteigend, lenken die gebogenen Prospekte das Publikum im Uhrzeigersinn durch die Trichterebene. Unter jeder Trichteröffnung steht das Leitobjekt des entsprechenden Themas oder Unterthemas. Dort wo Lichtschutz wichtig ist, schirmen die Prospekte das Tageslicht ab. Unerwartete Durchblicke erzeugen Spannung und vermitteln Beziehungslinien.

Abgründe – das Jahrhundert der Gewalt
Im Rollenlager geht das Publikum auf ein stilisiertes Kriegerdenkmal zu. Rechts und links verengen mediale Prospekte den geraden Weg – sie spannen ästhetisch den Bogen zum Eingangsbild in der Kopfstation.

Ort
Mischanlage Kokerei Zollverein
30.04.2014 – 26.10.2014
UNESCO-Welterbe Zollverein, Areal C [Kokerei],
Mischanlage [C70], Arendahls Wiese, 45141 Essen

Projektart
Zweistufiges Verfahren zur Vergabe von Leistungen zur Gestaltung der Ausstellung

Auslober
LVR-Industriemuseum, Oberhausen
Ruhr Museum auf Zollverein, Essen

steiner.ag – Arbeitsgemeinschaft für Architektur und Design
Prof. Jürg Steiner, Architekt BDA

Mitarbeit
Dipl.-Ing. Andreas Froncala
Dipl.-Ing. Markus Ringpfeil
Dipl.-Des. Kolja Thomas

Link
www.lvr.de/de/nav_main/kultur/berdasdezernat_1/1914/ausstellungen/essen_6.html