Topographie des Terrors – Dauerausstellung (Wettbewerb)

Prinz-Albrecht-Gelände, Berlin-Kreuzberg 01/1997

Vier Büros wurden für den Gestaltungswettbewerb eingeladen, unter ihnen der Architekt des Neubaus, Peter Zumthor. Dem vorliegenden, von der Jury am besten beurteilten Entwurf, ist daran gelegen, aus Ausstellung und Ort eine Einheit zu bilden. Das geplante Stabwerk, vergleichbar mit einer Bühnenkonstruktion, wird ›theatermäßig‹ bespielt: Alle Ausstellungselemente – vornehmlich Fotos, Dokumente und Texte – werden abgehängt und in eigens dafür entwickelten Leuchtrahmen schwebend in der Halle präsentiert.
Trotz seiner guten Bewertung und trotz der Mühe von Auftraggeberseite – der Stiftung Topographie des Terrors mit seinem Direktor Reinhard Rürup – blieb der Entwurf wegen hinhaltender Widerstände des Hochbauarchitekten unverwirklicht.

Textliche Beschreibung des Wettbewerbsbeitrags:

Ausstellungsgestaltung
Das Gestalten einer Ausstellung sollte sich – auch gerade im Falle der Topographie des Terrors auf ihre Grundfunktion zurückbesinnen, nämlich Bindeglied zu sein, zwischen den ausgestellten Objekten und dem Raum. Auch hergestellte, also reproduzierte Objekte, wie Fotos und Texte, gern als Flachware bezeichnet, verdienen die gleiche Aufmerksamkeit, vielleicht sogar noch eine verstärkte, denn sie können sich wegen fehlendem Eigenleben, wegen dem Manko an Auratischem nicht gegen die Ausstellungsgestaltung wehren. Jedes Ausstellungsstück braucht aber eine irgendwie geartete Verbindung zum Raum, dies bedingt alleine schon die Schwerkraft. „Eine Ausstellung muss immer mit dem Raum gehen, niemals gegen ihn“ sagte der langjährige Generaldirektor der Staatlichen Museen, Prof. Dr. Leopold Reidemeister.

Der geplante Neubau
Der langgezogene, hohe Ausstellungsraum wirkt auf uns wie ein tiefes Bühnenhaus, seitlich gegliedert mit schmalen Gassen, durch die das Licht eintritt, oben mit einem „Schnürboden“ ausgestattet. Akzeptiert man diese Sichtweise, folgt daraus eine theatermäßige Inszenierung: Flächige Prospekte hängen im Schnürboden und bilden Räume. Eine hängende Ausstellung hat nicht nur den Ursprung in unserer Einschätzung des geplanten Raumes, sondern liegt auch in der Tatsache begründet, dass die Definition des Fußbodens noch offen ist. Entscheidet man sich, den Fußboden im Zuge der Ausstellungsgestaltung gänzlich unberührt zu lassen, bestünde im weiteren Planungsverlauf die Möglichkeit, verschiedene Bodengestaltungsvarianten zu überdenken.

Der Lösungsvorschlag
Die historische Härte des Themas· und der daraus resultierenden Objekte und die Klarheit des Raumes verlangen eine moderne Darstellungsform. Nicht Wegzuleugnen ist dabei das absolute Übergewicht von Foto und Text, die in einer Ausstellung möglichst auf einer Höhe von + 1,00 m bis + 2,00 m auf einem senkrechten Fond angebracht werden sollten. Fotos und Texte müssen sich aufeinander beziehen, aber nicht ineinander fließen, oder einander überdecken. Texte sollten in vergleichsweise großer, schwarzer Schrift auf hellem Grund gezeigt werden. Die Tafelabfolge sollte weitgehend die Leserichtung berücksichtigen, um ein einfaches und logisches Verstehen des Erzählbandes zu ermöglichen. Andere Gestaltungselemente sind Empfangstresen, Infokuben, Flugblätterdisplays, Sitzmöbel und Bildschirme für interaktive Datenabfragung und für bewegte Bilder. Die Ausstellung hat keinen eigentlichen Rundgang, sondern zwei Kapitel: Vom Eingang her hat das Publikum die Möglichkeit, erst in die Ausgrabung mit der dazugehörigen Ausstellung zu gehen. Auch die eigentliche Ausstellung schlagen wir ohne Rundgang vor, das Publikum fängt im Westen an, im Osten erreicht es das Ende der Ausstellung.